Allein am Tisch? Antike und moderne jüdische Antworten auf den drohenden Wegfall eines Gemeinschaftsrituals in Krisensituationen

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Claudia D. Bergmann

Abstract

Die gemeinsame Mahlzeit symbolisiert viel mehr als das Teilen und Verzehren von Lebensmitteln. Aufgrund seines rituellen Charakters hat jedes gemeinschaftliche Mahl eine tiefe Bedeutung, die verinnerlicht und in die Körper der Teilnehmer:innen aufgenommen wird. Doch was passiert, wenn gemeinsame Mahlzeiten nicht mehr möglich sind? Dieser Frage wird anhand von zwei Beispielen nachgegangen. In einem ersten Teil werden antike jüdische Texte beleuchtet, in denen das Mahl in der Kommenden Welt alle tatsächlich erlebten sozialen und religiösen Probleme löst. Im zweiten Teil geht es um die modernen rituellen Strategien zu Pessach 2020/5780, die darauf abzielten, die Mahlgemeinschaft in Zeiten einer Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen des persönlichen Kontakts aufrechtzuerhalten. Der Beitrag versucht, Mahlrituale und den Aspekt der Gemeinschaftsbildung durch Rituale in Beziehung zu setzen, und stellt bewusst literarische Beispiele, die im jüdischen Kontext um die Zeitenwende entstanden sind, modernen Beispielen gegenüber. Beide historischen Kontexte werden durch theoretische Überlegungen zur Bedeutung der gemeinschaftlichen Mahlrituale unter schwierigen sozialen, kulturellen und religiösen Bedingungen und durch ihren Bezug zum Judentum in Vergangenheit und Gegenwart verbunden.

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Zitationsvorschlag
Bergmann, C. (2021). Allein am Tisch?. LIMINA - Grazer Theologische Perspektiven, 4(2), 86-114. Abgerufen von https://limina-graz.eu/index.php/limina/article/view/132
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