Spontan, im Übermaß und metabolisch Die Mahl-symbolische Vermittlung der Erfahrung mit dem Anderen in zwei biblischen Erzählungen von Gastfreundschaft (Gen 18; Gen 19)

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Martina Weingärtner

Abstract

Aus phänomenologischer Perspektive erfährt der Mensch gegenüber Essen und Trinken gewisse Spannungen, welche die Religion wahrnimmt und die in biblischen Schriften zum Gegenstand werden. Die biblischen Erzählungen in Gen 18,1–15 (Der Besuch dreier Männer bei Abraham) und Gen 19,1–11 (Die Beherbergung der Boten durch Lot in Sodom) thematisieren die Spannung von Heiligem und Profanem in der symbolischen Vermittlung eines Mahlereignisses. Beide Texte weisen motivische Parallelen und zugleich kontrastreiche Abweichungen auf. Gen 18 versprachlicht den Einbruch des Heiligen als extraordinäre Erfahrung, symbolisch vermittelt in sinnlich fassbaren Objekten von Essen und Trinken sowie dem zwischenleiblichen Ereignis des geteilten Mahls. Gerade in einer vergleichenden, spiegelnden Interpretation zu Gen 19 und Lots Bewirtung zweier Boten treten drei Kennzeichen hervor, die mit dieser Beispielerzählung als wesentlich erscheinen für ein gelungenes gemeinschaftliches Mahl, das die Begegnung mit dem Anderen vorbereiten kann: Unvorhersehbarkeit, Freigiebigkeit und Anerkennung. Dieser Mahlsymbolik wird im Artikel nachgegangen. Dabei wird sich besonders an der Gestaltung von Raum und Zeit, der Verhältnisbestimmung zwischen Gastgeber und Ankömmlingen, der Redeweise der Einladung und nicht zuletzt der Bewirtung selbst zeigen, welch unterschiedliche Textwelten Gen 18 und Gen 19 je entfalten. Analog ist dabei, dass die Gestaltung der Essszene einen symbolischen Vorgeschmack auf den (un)heilvollen Fortgang des Erzählverlaufs geben wird.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag
Weingärtner, M. (2022). Spontan, im Übermaß und metabolisch. LIMINA - Grazer Theologische Perspektiven, 5(2), 38-56. Abgerufen von https://limina-graz.eu/index.php/limina/article/view/139
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